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Nicht Gold und Silber, sondern die Kartoffel: Das wahre Ei des Kolumbus

Den wagemutigen Seefahrern des 15. und 16. Jahrhunderts verdanken wir die Entdeckung Amerikas. Deren Streben aber galt allem voran dem Geld – und einer unbekannten Pflanzenwelt.

Die Forderung des Bittstellers Cristóbal Colón war geradezu exorbitant. König Ferdinand II von Aragón und seine Gemahlin, Königin Isabella I von Kastilien, sollten nicht nur die gesamte Expedition finanzieren, sondern ihm dazu den erblichen Titel eines Admirals verleihen, ihn zum Vizekönig aller neu entdeckten Gebiete ernennen und ihn darüber hinaus mit 10 Prozent an allen erbeuteten Schätzen beteiligen. Entrüstet lehnte der Monarch ab. Und doch: Trotz all seiner Unverschämtheit – und trotz seines historischen Irrtums – sollte Colón alias Kolumbus in die Geschichte eingehen.

Christoph Kolumbus, posthumes Porträt von Sebastiano del Piombo, 1519. (Wikimedia)
Christoph Kolumbus, posthumes Porträt von Sebastiano del Piombo, 1519. (Wikimedia)

Doch der Reihe nach. Als erstes galt es, die alles entscheidende Geldfrage zu klären. Forschungsfahrten, in Umfang und Komplexität durchaus vergleichbar mit heutigen Weltraummissionen, liessen sich nur mithilfe der mächtigsten Sponsoren der Zeit finanzieren: Königs-, Bank- und Handelshäusern. Viele Jahre lang bekniete Kolumbus die Könige Portugals und Spaniens – immer wieder vergeblich: Zu teuer, zu lang, zu risikoreich. In seinen Verhandlungen mit dem zögerlichen Ferdinand von Aragón griff Kolumbus am Ende gar zu einem Trick: Er werde sich, so drohte er, mit seiner Bitte statt dessen an Frankreich wenden. Die Drohung wirkte. Königin Isabella liess einen Eilboten aussenden, der den bereits davonreitenden Kolumbus gerade noch einholte. Der Rest ist Geschichte: Im «Kapitulation von Santa Fe» genannten Vertrag wurden Kolumbus‘ horrende Forderungen erfüllt, die Expedition dagegen auf ein finanzielles Minimum von 2 Millionen Maravedís (umgerechnet über 300 Millionen Franken) zusammengekürzt. Mit neunzig Mann und nur drei Schiffen, das grösste kaum 20 Meter lang, stach Kolumbus am 3. August 1492 in See.

Der Admiral war davon überzeugt, einen Weg nach China entdeckt zu haben – der damalige Sprachgebrauch fasste Indien und die dahinter liegenden, noch unbekannten Länder Asiens unter dem Begriff las Indias zusammen –, und nannte die zehn gefangenen Eingeborenen, die er nach der Rückkehr seinem König präsentierte, folgerichtig «Indianer».

Dass er nicht die Küste Chinas, sondern vielmehr einen noch unbekannten Kontinent entdeckt hatte, sollte Kolumbus zwar bis ans Ende seines Lebens verborgen bleiben. Die Schätze aber, die er und die auf ihn folgenden conquistadores nach Europa brachte, bestanden aus Gold und Silber, Sklaven, exotischen Tieren und Pflanzen, darunter der scharfe Chili (den Kolumbus mit Pfeffer verwechselte), Mais, Bohnen, tropische Früchte – und vor allem die Süsskartoffel: Sich allmählich von Spanien nach England und Irland und schliesslich in ganz Europa ausbreitend, machte die Knolle Menschen satt, die zuvor verheerenden Hungersnöten zum Opfer gefallen waren. Allein im Jahrhundert nach der Einführung der Kartoffel, so schätzen Forscher, wuchs die Bevölkerung Europas auf das Doppelte an. Der wahre Schatz des Kolumbus waren nicht Gold und Sklaven, sondern vielmehr eine nahrhafte Knolle.

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